(UW 29-05-2017) Früher galt in
Deutschland eine Grosse Koalition als eine Ausnahme. Ein häufiger Wechsel der
Regierungspartei galt als eines der wichtigsten Kennzeichen einer lebendigen
und funktionierenden Demokratie. Schon in der Schule, in den 50er Jahren,
hörten wir Schüler wie Demokratie funktioniert – zum Beispiel in England. Dort
hatte Winston Churchill zwischen 1940 und 1945 als Premierminister England
heroisch durch den Krieg geführt , aber trotzdem wurde sofort nach dem
Krieg abgewählt und musste einer Labour-Regierung unter Clement Attlee weichen,
Denn im Juli 1945 hatte die Labour Party die Parlamentswahlen gewonnen, weil sie den Briten bessere Schulen, bessere Wohnungen und ein
staatliches Gesundheitswesen versprochen hatte.
In der
Bundesrepublik kam es zur ersten Grossen Koalition zwischen 1966 und 1969, weil
die Koalition von CDU/CSU und FDP zerbrochen war. Von den meisten wurde sie nur als Übergangslösung betrachtete –
„Vernunftehe“ aus CDU/CSU und SPD nur bis zur nächsten
Wahl im Jahre 1969, bei der die CDU/CSU die angestrebte absolute Mehrheit verfehlte. Danach bildeten SPD und FDP unter
Bundeskanzler Willy Brandt die erste sozialliberale
Koalition auf Bundesebene.
Die nächste Grosse Koalition gab es erst
zwischen 2005 und 2009, weil keine andere Koalition als die von CDU/CSU und SPD
regierungsfähig gewesen wäre.
Die jetzige Grosse Koalition regiert seit 2013
(Kabinett Merkel III). Offensichtlich hat sich die Zusammenarbeit von CDU/CSU mit
der SPD so erfolgreich erwiesen, weil der Standpunkt beider Lager sich so weit
angenähert hat, so dass heute keines der beiden grossen politischen Lager mehr
eine richtige, für den Bürger und Wähler erkennbare und unterscheidbare
Identität besitzt, zumal auch die FDP weitgehend aus dem politischen Blickfeld
verschwunden ist. Man könnte fasst von einer deutschen Einheitspartei sprechen.
Eine Verschmelzung beider Lager ist jedoch so gut wie unmöglich, denn beide,
CDU/CSU und SPD, haben eine Stammwählerschaft, die sich wenig Gedanken über die
reale Politik macht. Diese Stammwähler denken kaum über die Politik nach, sie
wählen ihre Partei aus Tradition. Für die meisten ist die CDU/CSU immer rechts
und die SPD immer links, gleich was sie machen. Der Normalwähler kann eben nur
noch zwischen Rechts und Links unterscheiden. So wenigstens hat es an Anschein.
Eine echte Opposition gibt es nicht mehr. Diese
kommt heute nur noch von Kleinparteien wie der AfD, die eher basisdemokratisch
sind und deshalb für viele Wähler eine eher konfuse, für sie schwer
verständliche Politik betreiben. Parteien, die nicht einfach Links oder Rechts
zugeordnet werden können, haben es schwer.
Dort wo eine Grosse Koalition regiert, fehlt
eine echte Opposition. Das Fehlen einer solchen Opposition wird sich noch als
wenig zweckdienlich und vorteilhaft herausstellen, denn in einer Grossen
Koalition einigt man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner und deshalb kann
man von einer Grossen Koalition auch keine grossen Sprünge und Flexibilität
erwarten. Ihre Strategie ist: „Weitermachen wie bisher, das hat ja bis jetzt
noch keinem geschadet“. (Erinnert an Adenauers einstiges Wahlmotto: „Keine
Experimente“). Schaden tut es jedoch der Demokratie. Alternative Vorschläge und
neue Ideen werden von Grossen Koalitionen hart bekämpft, weil sie das einfache
Bild von rechts und links stören. Die Politik erstarrt, wird zombiehaft.
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